Martin Vosseler in Benken

Sonntag, 1. November 2009
Der Arzt und Umweltaktivist Martin Vosseler kommt nach Benken.

Erfrischend und lebensbejahend erzählt er über seine Erfahrungen und Wanderungen „Der Sonne entgegen“.

Der Sonne entgegen – unterwegs zu einer planetaren Ethik

Und wieder fand eine hochkarätige, gut besuchte Veranstaltung im Gasthaus Sonne Benken statt. Die im Titel gemeinte Sonne schien zwar nicht, der Saal der Sonne war trotzdem gut gefüllt. Erstmals fanden sich Kernfrauen Weinland, Velosternfahrt und Klar! Schweiz zusammen, um diesen denkwürdigen Anlass durchzuführen. Die vorgestellten Ideen regten durchaus zum Denken an … und noch viel mehr zum Handeln. Martin Vosseler plädierte gegen Krisenangst und Mutlosigkeit.

Im Leben kann man gut geerdet sein, wenn man die folgenden acht Punkte nicht vergisst:

  1. Staunen
  2. Mitmenschlichkeit und Gewaltlosigkeit
  3. Freude am Andersartigen
  4. Respekt für andere Lebewesen
  5. Genügsamkeit
  6. Humor
  7. Mut und Begeisterung
  8. Zuversicht

Die Hauptbotschaft des mit viel Humor (Anwendung von Punkt 6) gespickten Vortrags heisst: Hören wir auf, von der Sonne als Alternativenergie zu reden! Die Sonne ist die Hauptenergie schlechthin. Ihr verdanken wir das Leben, das Wachstum, die Wärme. Dagegen sind Erdöl, Gas, Uran und alle jene, die als wichtig beworben werden, nur kleine, in der Menge unbedeutende Alternativenergieträger . Die Sonne liefert in einer einzigen Stunde so viel Energie, wie die Menschheit in einem Jahr verbraucht.

Humor ist besser als Drohen und Angst machen. „Wenn ich den Mahnfinger in die Luft strecke, zeigen drei Finger auf mich selbst zurück.“ Zur Zeit, in der wir leben, meinte er: Es gibt verschiedene Zeitepochen. Den Griechen damals war die individuelle Schönheit wichtig. Im Mittelalter musste man ein gottgefälliges Leben führen und auf weltliche Freuden verzichten. Und seit 70 Jahren heisst die Devise: Lebe, um finanziellen Gewinn zu erzielen.

Nicht nur die Zeitalter verglich der Referent. Er sprach auch über die verschiedenen Kulturen; wir geniessen die Esskultur, die Vielfalt der Küchen Italiens, Frankreichs, Chinas, Mexikos. Sie bereichert unser Leben. Auch die verschiedenen religiösen Ansichten bereichern unser Leben. Er hofft, dass die Menschen den Punkt erreichen werden, wo sie auch diese Vielfalt geniessen können.

Martin Vosseler lernte auf seiner Wanderung quer durch Nordamerika von Los Angeles nach Boston viele Menschen kennen, zum Beispiel den Mann, der ungläubig fragte, ob er wirklich Los Angeles an der Westküste und Boston an der Ostküste des Kontinents meine. Er schüttelte ungläubig den Kopf und meinte, er habe sich auch schon überlegt, statt Auto zu fahren zu Fuss zu gehen – vom Spirituosengeschäft bis zur Garage.

Aber ausgeführt habe er es noch nie. Ein einfacher Tipp, der zu abwechslungsreichen Erlebnisse führt: Die Agenda nicht zu voll haben.

In der anschliessenden Fragerunde wurde Martin Vosseler gefragt, wie er zum Atommülllager in der Region Benken meine. AKWs hätten niemals gebaut werden dürfen, weil nicht die ganze Technik durchdacht ist. Das Problem der Endlagerung war von Anfang an nicht gelöst. Das heisst, heute muss folglich sofort ausgestiegen werden. Ein Atommülllager für radioaktive Materialien darf sicher nicht dort gesucht werden, wo Menschen so nahe wohnen und wo wertvolles Wasser so nahe ist.

Der aus Hettlingen angereiste 90-jährige Walter Weiss wies darauf hin, dass Albert Einstein – der wohl klügste Kopf des letzten Jahrhunderts – von der Kernspaltung nichts mehr wissen wollte, als er die Gefährlichkeit erkannt hatte. Heute spreche man von „friedlicher Nutzung“ der Kernenergie und blende dabei all die Gefahren für die betroffenen Menschen aus. Diese würden die Nebenwirkungen nicht als friedlich empfinden. Und er nahm der Mistkäfer als Vorbild. Der frisst und frisst, und danach hinterlässt er als Abfall reine Erde.

(von links nach rechts) Walter Weiss Martin Vosseler Hanna Herter (Kernfrauen) Thomas Jochim (Velosternfahrt) Jean-Jacques Fasnacht (Klar! Schweiz)

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