Kundgebung vom Samstag, 20. September 2008 in Benken
Im Jahre 2004 fand in Benken die letzte grosse Kundgebung gegen das Atommülllager statt. Nach vier Jahren organisiert KLAR! Schweiz zusammen mit vielen verbündeten und befreundeten Organisationen und Personen eine weitere internationale Kundgebung am gleichen symbolträchtigen Ort, dem ehemaligen Bohrgelände der Nagra.
Das Ziel, eine breite Öffentlichkeit über den aktuellen Widerstand gegen die Atommülllagerpläne und gegen die Atomenergie zu informieren und sie zu mobilisieren, wurde mit dieser farbigen, kraftvollen Kundgebung voll erreicht. Es dürften weit mehr als die in den Medien genannten 2000 Aktivisten und Aktivistinnen gewesen sein, da ein buntes Kommen und Gehen herrschte und nicht alle den ganzen Nachmittag anwesend waren. Ein gut gewürztes Potpourri an Reden, Darbietungen und Musik befasste sich mit den unseligen Atomausbauplänen und der verfehlten Energiepolitik mit der Behauptung, ohne Atomenergie könne die Schweiz in den nächsten Jahrzehnten nicht auskommen.
KLAR! Schweiz ist es gelungen, ein hochkarätiges Programm zusammenzustellen. Neben Grussbotschaften mit atomkritischen Inhalten (je ca. 3 Minuten) und Reden (je ca. 10 Minuten) informierten Ausstellungsstände rund ums Kundgebungsgelände über den leider immer noch nötigen Widerstand gegen atomare Gefahren und über neue Möglichkeiten der Energiegewinnung.
Programm
12.15 Uhr Eintreffen, Giigegugge, Musik
12.30 Uhr Beginn, Begrüssung durch Käthi Furrer, Co-Präsidentin von Klar! Schweiz
--- Jean-Jacques Fasnacht, Co-Präsident von Klar! Schweiz (politische Einleitung)
--- Verena Strasser, Gemeindepräsidentin Benken, Grussbotschaft (Gemeinde mit Atommülllager?)
--- Christian van Singer, Nationalrat, Grussbotschaft (auf französisch, Widerstand in der Romandie)
--- Rebecca Harms, Grüne D, Mitglied des Europarats, Rede (aktuelle europäische Politik)
--- Eveline Kunz, SP Bezirk Andelfingen, Grussbotschaft (langjähriger Widerstand der SP gegen AKW)
Auftritt der protestierenden Kühe
--- Hildegard Breiner, Widerstand Vorarlberg, Grussbotschaft (alle Parteien in Ö verzichten auf AKW)
Lara Stoll, Slam Poetry
--- Helena Nyberg, Incomindios, Grussbotschaft (Uranabbau am Anfang des Atomstroms)
--- Bastien Girod, Nationalrat, Rede (Zukunft der Energieversorgung)
--- Pearl Pedergnana, Stadträtin Winterthur, Grussbotschaft (Grossstadt in Endlagernähe)
--- Verena Diener, Ständerätin, Grussbotschaft (Energiepolitik aus eidgenössischer Sicht)
Vera Kaa, Starauftritt Musik
--- Ulla Hafner, Regierungspräsidentin Schaffhausen, Grussbotschaft (SH leistet/-e Widerstand)
--- Kaspar Schuler, Greenpeace Schweiz, Allianz Stopp Atom, Rede (Bündnis gegen AKW)
Patrick Frei, Kabarettist, als Experte Prof. Dr. Stolte-Benrath
--- Rudolf Rechsteiner, Nationalrat, Rede (konkrete Grundlagen: Schweiz ohne AKW ist gut möglich)
Kernfrauen Wein-Land, Aktion auf der Bühne
--- Geri Müller, Nationalrat, Schweizerischen Energiestiftung, Rede (atomfreie Zukunft anstreben)
Abschluss und Ausklang der Kundgebung
16.15 Uhr Ende
Höhepunkte
Jeder einzelne Auftritt stellte sich als Höhepunkt heraus...
Die Künstler/-innen Lara Stoll (Slam Poetry), Vera Kaa (Musik und Gesang) und Patrick Frey (Kabaret) haben extra für diesen Anlass und den potenziellen Endlagerstandort Benken eigene Nummern kreiert.
Lara Stoll stellte in ihrem frischen Vortrag den jungen Bill - den Tscherno-Bill - vor und setzte sich fürs Nein-Sagen am richtigen Ort ein. Vera Kaa sang mit ihrer ausdrucksstarken Stimme gegen das Verlochen und Vergessen und rief das Publikum zum Mitsingen auf, wobei sie auch ein altes Schullied ausgrub: "Gang, rüef de Brune" passte hervorragend zum Überraschungsauftritt der 80 protestierenden Kühe. Patrick Frey als Experte in allen Lebensfragen, insbesondere auch im Vermarkten von Wortverdrehungen, brachte eine humorvolle, aber nicht minder ernsthafte Abwechslung ins an Höhepunkten reiche Programm. Seine Aussage "Nachdenken ist schädlich" hält hoffentlich niemanden vom Nachdenken ab, denn es folgte der Nachsatz "für die Atomwirtschaft".
Herzlichen Dank all diesen bekannten Persönlichkeiten für ihren Auftritt! Die Botschaften wurden hier verstanden, nachdenken werden die Zuhörenden noch lange!
Bei den trotz des einheitlichen Themas sehr abwechslungsreichen Reden ist aufgefallen, wie viele von der Atompolitik Direktbetroffene es in der Schweiz bereits gibt! Sei es der Hinweis auf Ollon im Waadtland, wo die Nagra einen allerersten Versuch zu Erkundungen starten wollte oder die Erwähnung, in der Nachbarschaft von Kölliken zu wohnen, wo es zwar nur eine harmlose "sichere" Sondermülldeponie zu sanieren gibt, aber immer wieder überraschende Probleme mit immer mehr Geld zu lösen sein werden (wie kommt das nur bei einer Atommülldeponie heraus?). Die Schilderung der trostlosen Lage der Menschen, die in strahlenden Uranabbaugebieten wohnen, machte betroffen.
Niemand von den Vortragenden glaubt an eine Stromlücke, im Gegenteil, man überzeugte mit jeder Menge ZUKUNFTsgerichteter Ideen und nachvollziehbarer Berechnungen. Auf die Zusammenfassung der einzelnen Reden sei hier verzichtet.
Diese internationale Kundgebung brachte viele Menschen zusammen. Die lokalen Organisationen Kernfrauen mit ihrer Mini-Show und Strahlenbund (die Männer im Kinderhütedienst), die politischen Parteien AL, SP und Grüne lokal/kantonal/eidgenössisch, NGOs, Compatriotes aus dem Welschland, die riesigen mit Bussen anreisenden Delegationen aus Vorarlberg und dem süddeutschen Raum, mehrere Personen aus dem nördlicheren Deutschland und aus Frankreichher (Bure F war diesmal nicht vertreten, weil sie sich zwischen einer Demo in Paris F oder in Benken CH entscheiden mussten) - diese grenzenlose gezeigte Solidarität lässt an eine Zukunft ohne atomare Risiken glauben.